Architekt Ziviltechniker

Haus FS

Fotos: Oliver Wolf

der blaue falke – Projektbeschreibung

Die Bauaufgabe bestand darin, für eine Jungfamilie in einem Luftkurort im Grazer Umland ein archi­tektonisch zeitgemäßes, aber sehr kostengünstiges Wohnhaus als Zubau zur (ehemaligen) Garage einer Villa aus dem 19. Jhdt. zu errichten.

Für den Entwurf des zweigeschoßigen Neubaus war es wichtig, den Naturraum des umliegenden Waldes an jeder Ecke ins Haus zu holen. Dafür war eine bestehende Geländekante sehr hilfreich, die Ausblicke in Baumkronen-Höhe von allen Räumen des Hauses eröffnet. Im wahrsten Sinne des Wortes spektakulär kommt diese Qualität an der großzügig auskragenden Westterrasse zum Tragen, die auf 2 Seiten auch physisch an diese grünen Kronen heranreicht. Der offene Grundriss verstärkt die Erlebbarkeit der Umgebung zusätzlich, die Fenster umrahmen „Naturbilder“ von Flora und Fauna.

Der Neubau wurde über einen Verbindungstrakt an die alte Garage der Villa angeschlossen. Im Verbindungstrakt befinden sich auch das Foyer des neuen Hauses und der Stiegenlauf ins Obergeschoß. Die alte Garage wird nun als Mehrzweckraum genutzt, der eine niedere Raumtemperatur akzeptiert.

Ursprünglich war ein Flachdach vorgesehen. Die Baubehörde hat aber eine Satteldachform als Vorgabe für den Hausbau angeordnet. Dies wurde im Entwurf schlussendlich als po­sitive Herausforderung aufgenommen.

Das in Nord-Süd-Richtung orientierte Sattel­dach der Garage wurde aufgegriffen und als Zwillings­satteldach Richtung Wald fortgeführt. Der Dachraum wurde – wie bei traditionellen Satteldachhäusern – als Kaltdach-Dachboden für Stauraum ausgebildet und liegt deshalb auch außerhalb des Wärmeschutzes.

Über Oberlichten in der wärmegedämmten Obergeschoßdecke wird der Blick in die Dachkonstruktion und die Dachziegeluntersicht freigegeben.

Diese Maßnahme öffnet den Innenraum des Hauses großzügig nach oben und zusätzlich fällt von dort Licht ins Haus – so wurde aus der Not eine Tugend: Markant erhebt sich nun das Doppelsatteldach über der Steilböschung wie die Schwingen eines Falken beim Abflug. Die Holzkonstruktion des ‚blauen Falken‘ wird von einer hinterlüfteten Folien-Fassade ummantelt. Sie wird durch horizontal durchlaufende Lärchenholzprofile gehalten. Zusätzlich ist diese Fassade ostseitig mit Drähten überspannt, die rankenden Pflanzen über die gesamte Fassadenhöhe Halt geben werden und eine zu starke Erwärmung unterbinden sollen.

Der Erdgeschoß-Sockel des Hauses besteht raumseitig aus Sichtbetonmauern. Nach Süden und Westen öffnet sich der weiträumige Wohn-, Koch- und Essraum ebenfalls zum nahen Wald und zum großzügigen Innenhof mit Garten, der durch den oben erwähnten neuen Verbindungstrakt eingefasst wird. Damit ist ein neuer Außenraum ‚eingeräumt‘ worden. Der Gussasphalt-Fußboden im Erdgeschoß und der Eichen-Hochkantlamellen-Belag im Obergeschoß ist mit einer durchgehenden Fußbodenheizung kombiniert, die durch Nahwärme gespeist wird.

Planung und Fertigstellung 2018